Am 2. September 2026 ist Gutenberg 23.9 erschienen, und die Neuerungen zielen genau auf die Arbeiten, für die viele Betriebe heute noch anrufen müssen: Farben, Abstände, Textstile — zentral einstellbar, ohne eine Zeile Code. Eine Einschränkung gehört allerdings gleich in den ersten Absatz, weil sie in fast jeder Meldung dazu fehlt: Auf Ihrer Website ist davon momentan nichts angekommen, und das ist auch richtig so. Dieser Beitrag erklärt, was neu ist, wann es bei Ihnen eintrifft und wo die Grenze zwischen «macht das Team selbst» und «dafür braucht es Fachleute» künftig verläuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Gutenberg ist ein Testplugin, kein Update. WordPress 7.1 «Mary Lou» enthält die Gutenberg-Versionen 22.7 bis 23.6. Die Versionen 23.7, 23.8 und 23.9 sind noch in keinem WordPress enthalten. Sie erscheinen frühestens mit WordPress 7.2 — angesetzt auf den 10. Dezember 2026.
- Installieren Sie das Plugin nicht auf Ihrer Geschäftswebsite. Das Verzeichnis von wordpress.org bezeichnet es selbst als «beta plugin» für technisch versierte Frühnutzer. Rund 400’000 Websites haben es installiert — Entwicklungs- und Testumgebungen, kein Produktivbetrieb.
- Die zwei sichtbarsten Neuerungen sparen Klicks im Alltag. Blöcke lassen sich direkt aus der Werkzeugleiste einfügen, ohne die Auswahl zu verlieren. Und in den globalen Stilen zeigt ein Punkt an, welche Blöcke abweichend eingestellt wurden — mit einem Filter, der nur diese anzeigt.
- Die Grenze verschiebt sich, sie verschwindet nicht. Farben, Abstände und Textstile wandern in Reichweite des Redaktionsteams. Theme-Architektur,
theme.json, Ladezeit und Barrierefreiheit bleiben, wo sie sind. - Der Hebel liegt im Fundament, nicht im Editor. Auf einem sauberen Block-Theme kostet eine Farbänderung Minuten und keine Rechnung. Auf einer gewachsenen Page-Builder-Website kostet dieselbe Änderung eine Anfrage, einen Termin und eine Position auf der Rechnung.
Was Gutenberg 23.9 bringt
Der Ankündigungsbeitrag auf Make WordPress Core führt zwei Neuerungen als Aufmacher — beide zielen nicht auf neue Möglichkeiten, sondern auf weniger Umwege bei dem, was man ohnehin dauernd tut.
| Neuerung | Was sich im Alltag ändert |
|---|---|
| Blöcke aus der Werkzeugleiste einfügen | Ein neuer Block landet dort, wo man ihn braucht, ohne die Auswahl zu verlieren oder zum Seitenanfang zu scrollen. Vor allem beim Arbeiten in Gruppen und Galerien. |
| Punkt-Anzeige für eigene Stile | In den globalen Stilen markiert ein Punkt jeden Block, für den eine abweichende Einstellung hinterlegt ist. Ein Filter zeigt nur diese Blöcke. Das beantwortet die Frage «warum sieht dieser eine Kasten anders aus?» in Sekunden. |
| Getrennte Abstände in Gruppen | Flex- und Raster-Layouts erhalten unabhängige vertikale und horizontale Blockabstände. Bisher galt ein Wert für beide Richtungen. |
| Eigene Duotone-Farben | Zweifarbige Bildeinfärbungen liessen sich bisher nur über theme.json vorgeben. Neu gibt es dafür einen Reiter in den globalen Stilen. |
| Mehr Elemente in den globalen Stilen | Zitate, Eingabefelder und Auswahllisten waren bisher nur über theme.json gestaltbar, neu auch über die Oberfläche. Beschriftungen (<label>) lassen sich neu über theme.json gestalten. |
Ein Muster fällt auf: Vier der fünf Punkte verlagern etwas von theme.json — einer Entwicklerdatei — in die Oberfläche. Das ist die eigentliche Richtung dieser Ausgabe und der Grund, warum sie für Betriebe interessanter ist als der Funktionsumfang vermuten lässt.
Wann das auf Ihrer Website ankommt
Hier liegt die Angabe, die in Zusammenfassungen regelmässig fehlt. Gutenberg ist nicht WordPress. Es ist die Entwicklungswerkstatt des Editors, ein Plugin, das alle zwei Wochen erscheint. Was sich dort bewährt, wird später in ein WordPress-Hauptrelease übernommen. Auf der Plugin-Seite steht das ausdrücklich: Jede WordPress-Ausgabe enthalte die stabilen Funktionen aus dem Gutenberg-Plugin, man müsse es also nicht installieren, um von der Arbeit zu profitieren.
| Ausgabe | Enthaltene Gutenberg-Versionen | Datum |
|---|---|---|
| WordPress 7.1 «Mary Lou» | 22.7 bis 23.6 | 19. August 2026 |
| WordPress 7.1.1 (Fehlerkorrekturen) | keine neuen Funktionen | 17. September 2026 geplant |
| WordPress 7.2 | voraussichtlich ab 23.7, damit auch 23.9 | 10. Dezember 2026 angesetzt |
Praktisch heisst das: Was Sie diese Woche über Gutenberg 23.9 lesen, ist ein Ausblick auf den Dezember. Und die naheliegende Abkürzung — das Plugin einfach installieren — ist die falsche Antwort. Das Verzeichnis beschreibt es als Beta-Plugin für «tech-savvy early adopters», die mit Funktionen umgehen können, die noch in aktiver Entwicklung sind. Die rund 400’000 Installationen sind ganz überwiegend Entwicklungs- und Testumgebungen.
Für eine Geschäftswebsite gilt deshalb dieselbe Regel wie bei jedem Vorabstand: auf einer Kopie ansehen, nicht am Original. Wer wissen will, wie sich 23.9 anfühlt, richtet dafür eine Testumgebung ein — das ist ohnehin die Voraussetzung für vernünftige Update-Abläufe.
Wo die Grenze zwischen Team und Agentur verläuft
Eine Agentur, die aufschreibt, was Kunden künftig selbst erledigen können, schreibt gegen ihren kurzfristigen Umsatz. Wir tun es trotzdem, weil die Alternative schlechter ist: Betriebe, die für jede Farbänderung anrufen müssen, ändern irgendwann nichts mehr — und eine Website, an der nichts mehr geändert wird, verliert.
| Das kann Ihr Team selbst | Dafür braucht es Fachleute |
|---|---|
| Farben der Marke zentral ändern — alle Seiten ziehen mit | Die Farbpalette überhaupt erst festlegen, inklusive Kontrastprüfung |
| Schriftgrössen und Zeilenabstände anpassen | Schriften einbinden, Ladeverhalten, Lizenzfragen |
| Abstände zwischen Abschnitten vereinheitlichen | Das Abstandsraster definieren, damit «vereinheitlichen» überhaupt möglich ist |
| Inhalte anlegen, umbauen, umstellen | Neue Vorlagen und Vorlagenteile, Kopf- und Fussbereich |
| Muster wiederverwenden, die einmal gebaut wurden | Diese Muster bauen — und sie so bauen, dass sie nichts kaputtmachen können |
| Bilder tauschen, Alternativtexte schreiben | Bildformate, Ladeverhalten, Kernmetriken der Ladezeit |
| Einzelne Blöcke abweichend gestalten | theme.json, Vererbung der Stile, Barrierefreiheit, dunkles Farbschema |
Die Trennlinie lässt sich in einem Satz sagen: Was in den globalen Stilen einstellbar ist, gehört ins Team. Was definiert, welche Einstellungen es überhaupt gibt, gehört in fachkundige Hände. Gutenberg 23.9 verschiebt einige Punkte über diese Linie — von rechts nach links. Es löscht sie nicht.
Was das für das Budget bedeutet — ein Rechenbeispiel
Die folgende Rechnung ist ein Modell mit offengelegten Annahmen, keine Erhebung. Sie soll nicht beweisen, dass sich ein Umbau lohnt, sondern zeigen, an welcher Stelle die Kosten überhaupt entstehen.
- Annahme 1: drei kleine Gestaltungsänderungen im Monat — eine Farbe, ein Abstand, eine Schriftgrösse.
- Annahme 2: je Änderung zwanzig Minuten Aufwand auf unserer Seite, inklusive Rückfrage und Kontrolle. Macht eine Stunde im Monat.
- Annahme 3: unser Stundensatz von CHF 170, mit Wartungsvertrag CHF 150.
Über drei Jahre ergibt das CHF 6120 zum Regelsatz, CHF 5400 mit Wartungsvertrag — für Arbeiten, die auf einem sauberen Block-Theme in den globalen Stilen erledigt werden können. Nicht eingerechnet ist der Anteil, der sich nie einsparen lässt: der interne Aufwand, die Abstimmung, die Frage, ob eine Änderung überhaupt sinnvoll ist.
Zwei ehrliche Einschränkungen dazu. Erstens: Die Rechnung gilt nur für Änderungen dieser Art. Eine neue Vorlage, eine Sprachversion, ein Formular mit Bedingungen — das steht auf keiner Seite dieser Rechnung. Zweitens: Der Betrag ist kein Ertrag, sondern ein vermiedener Aufwand. Wer nie eine Farbe ändern wollte, spart nichts.
Der eigentliche Wert liegt woanders und lässt sich schlecht beziffern: in der Geschwindigkeit. Eine Änderung, die zehn Minuten dauert, wird gemacht. Eine Änderung, die eine Anfrage, einen Termin und eine Freigabe braucht, wird verschoben — und dann vergessen.
Und wenn die Website auf einem Page-Builder läuft?
Dann gilt von alledem nichts. Page-Builder wie Elementor, Divi oder WPBakery bringen ihr eigenes Gestaltungssystem mit und ihre eigene Oberfläche dafür. Die globalen Stile von WordPress greifen dort nicht oder nur teilweise. Was Gutenberg 23.9 an Möglichkeiten hinzufügt, kommt auf einer solchen Website schlicht nicht an.
Das ist keine Empfehlung für einen überstürzten Wechsel. Ein Page-Builder, mit dem ein Team gut arbeitet, ist besser als ein Block-Theme, das niemand bedienen kann. Aber es ist ein Punkt für die Liste, wenn ohnehin ein Relaunch ansteht: Die Wahl des Fundaments entscheidet auf Jahre darüber, wie viel Sie für kleine Änderungen bezahlen. Wir haben den Vergleich in Block-Themes statt Page-Builder ausführlich aufgeschrieben, samt der Fälle, in denen die Antwort anders ausfällt.
Ein Schritt dazwischen ist möglich und oft der vernünftigere: Neue Seiten entstehen im Block-Editor, bestehende bleiben, wo sie sind. So wächst der Anteil, den das Team selbst pflegen kann, ohne dass in einer einzigen Nacht alles neu sein muss.
Fazit
Gutenberg 23.9 ist kein Ereignis, auf das man reagieren muss. Es ist ein Ausblick auf den Dezember, und es zeigt eine Richtung, die seit Jahren stabil ist: Einstellungen wandern aus Entwicklerdateien in die Oberfläche.
Für Betriebe folgt daraus eine unaufgeregte Konsequenz. Nicht: das Plugin installieren. Sondern: dafür sorgen, dass die eigene Website auf einem Fundament steht, auf dem diese Entwicklung überhaupt ankommt. Wer heute ein sauberes Block-Theme hat, bekommt die Verbesserungen im Dezember geschenkt. Wer eine gewachsene Page-Builder-Installation hat, bekommt sie nicht — und zahlt weiter für jede Farbänderung.
Wenn Sie wissen wollen, welche Änderungen Ihr Team auf der bestehenden Website schon heute selbst erledigen könnte: Schicken Sie uns die Adresse. Wir sehen uns an, worauf sie gebaut ist, und Sie erhalten innert einem Werktag eine Einschätzung dazu, welche Arbeiten intern möglich sind, welche nicht und woran das jeweils liegt. Was wir dabei betrachten, steht unter Webentwicklung und Design; der direkte Weg führt über das Kontaktformular.
Häufige Fragen
Soll ich das Gutenberg-Plugin installieren, um die Neuerungen jetzt zu haben?
Auf einer Geschäftswebsite nicht. Das Plugin bezeichnet sich im offiziellen Verzeichnis selbst als Beta-Plugin für technisch versierte Frühnutzer und enthält Funktionen, die noch in aktiver Entwicklung sind. Es ersetzt ausserdem grosse Teile des Editors — treten Probleme auf, betreffen sie das Herzstück der Redaktion. Für einen Blick darauf ist eine Testumgebung der richtige Ort.
Woran erkenne ich, ob meine Website ein Block-Theme nutzt?
Am schnellsten am Menü: Gibt es unter Design den Eintrag Editor, ist es ein Block-Theme. Finden Sie dort stattdessen Customizer, Widgets und Menüs, ist es ein klassisches Theme. Ein zusätzlicher Menüpunkt eines Page-Builders — «Elementor», «Divi» — beantwortet die Frage ebenfalls.
Was ist theme.json, und warum darf ich da nicht selbst hinein?
Es ist die Datei, in der ein Block-Theme festlegt, welche Farben, Schriftgrössen und Abstände es überhaupt gibt und welche davon in der Oberfläche zur Auswahl stehen. Sie wirkt auf die gesamte Website. Ein Tippfehler dort ist nicht ein Fehler auf einer Seite, sondern auf allen — und weil die Datei zum Theme gehört, kann eine unsachgemässe Änderung beim nächsten Theme-Update spurlos verschwinden. Genau deshalb ist es gut, wenn möglichst viel davon in den globalen Stilen einstellbar ist: Dort sind Änderungen sicher gespeichert und jederzeit umkehrbar.
Wenn mein Team Farben selbst ändert — kann es dabei etwas kaputtmachen?
Optisch ja, technisch kaum. Der häufigste Schaden ist ein zu geringer Kontrast, der die Seite für einen Teil der Besucher schwer lesbar macht und gegen die Barrierefreiheitskriterien verstösst. Das lässt sich vorbeugen: Wenn die Palette so angelegt ist, dass alle wählbaren Kombinationen geprüft sind, kann die Auswahl kein schlechtes Ergebnis liefern. Diese Vorarbeit ist der Grund, warum die linke Spalte der Tabelle oben überhaupt gefahrlos ist.
Kommt mit WordPress 7.2 wirklich alles aus 23.9?
Voraussichtlich, aber nicht garantiert. Was in ein Hauptrelease übernommen wird, entscheidet sich bis zum Funktionsstopp rund einen Monat vor der Veröffentlichung; einzelne Funktionen können verschoben werden. Belastbar ist der umgekehrte Schluss: Was heute im Plugin steht, ist noch in keinem WordPress enthalten.
Wir haben eine Elementor-Website. Lohnt sich ein Wechsel allein deswegen?
Allein deswegen nicht. Ein Wechsel des Fundaments ist ein Projekt, kein Update, und er rechnet sich nur, wenn mehrere Gründe zusammenkommen: hoher Änderungsbedarf, Beschwerden über Ladezeiten, Anforderungen an die Barrierefreiheit, ein ohnehin anstehender Relaunch. Steht ein solches Projekt an, gehört die Frage auf den Tisch — und dann früh, weil sie die Kosten der folgenden Jahre bestimmt.
Quellen
- Make WordPress Core: What’s new in Gutenberg 23.9 ↗ — die offizielle Ankündigung vom 2. September 2026 mit allen in der Tabelle genannten Neuerungen
- Make WordPress Core: WordPress 7.1 Field Guide ↗ — Quelle für die Zuordnung der Gutenberg-Versionen 22.7 bis 23.6 zu WordPress 7.1
- wordpress.org: Roadmap ↗ — Quelle für den angesetzten Termin von WordPress 7.2 am 10. Dezember 2026 und für den Funktionsstopp einen Monat vor einer Veröffentlichung
- wordpress.org: Gutenberg im Plugin-Verzeichnis ↗ — Quelle für die Selbstbeschreibung als «beta plugin», für den Satz, dass jede WordPress-Ausgabe die stabilen Funktionen enthält, und für die rund 400’000 aktiven Installationen (Stand 7. September 2026)
- Make WordPress Core: WordPress 7.1.1 Release Schedule ↗ — Quelle für den geplanten Termin der reinen Fehlerkorrektur-Ausgabe am 17. September 2026
- wordpress.org: Version 7.1 ↗ — Quelle für das Veröffentlichungsdatum von WordPress 7.1 «Mary Lou» am 19. August 2026
Stand: 7. September 2026. Das Rechenbeispiel ist ein Modell mit offengelegten Annahmen und keine Erhebung; die Stundensätze sind unsere veröffentlichten Sätze. Der Umfang von WordPress 7.2 steht erst mit dem Funktionsstopp fest — wir führen den Beitrag nach, sobald er bekannt ist.



